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Nov 07, 2017 7:25 AM

Heidrun “Heidi” Benneckenstein, Jahrgang 1992, war bei ihrem ersten Besuch eines
rechtsradikalen Sommercamps gerade einmal fünf Jahre alt.

Immer wieder wurde sie von ihrer Familie zu diesen Lagern nach Polen geschickt – in die “Ostmark”, wie ihr Vater zu sagen pflegte. Derartige Haltungen waren in ihrem Umfeld bei weitem nichts Außergewöhnliches: Der Freundeskreis der stramm rechten Eltern bestand fast ausschließlich aus nationalistischen Ökobauern, völkischen Akademikern und patriotischen “Weltverbesserern”.

Später dann, als Jugendliche, wuchs Heidi immer stärker in die ihr auferlegte Rolle eines “deutschen Mädchens” hinein. Sie posierte mit Gleichgesinnten bei Neonazi-Begräbnissen, pöbelte gegen Linke, schlug auf Fotografen ein.

Dabei kommt Benneckenstein nicht aus einer benachteiligten Gemeinde in Ostdeutschland oder einer verarmten Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit: Ihr Vater ist angesehener Beamter, die Familie bewohnt ein nettes Eigenheim im Münchner Speckgürtel.

In einem Buch arbeitet die mittlerweile 25-jährige jetzt auf, wie ihr unter Mithilfe der Mutter der Ausstieg aus diesem Strudel aus rechter Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit gelang. Sie beschriebt die Abnabelung nicht als plötzliches Erweckungserlebnis, sondern als langwieriges “Freistrampeln aus den braunen Strukturen”.

Man kann sich in dieser Szene verlieren, ohne, dass das Umfeld etwas davon mitbekommt. Der Ausstieg allerdings bleibt selten unbemerkt: Die Autorin muss nach wie vor um ihr Leben fürchten.

Heidi Benneckenstein: „Ein deutsches Mädchen“. Mein Leben in einer Neo-Nazi Familie. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2017.